Am Rande Die wichtigsten Beiträge Umweltschutz

Klimawandel: Müssen wir unseren Wohlstand aufgeben?

benni

Neu auf dem Youtube Channel von Benjamin Garherr

 

 

Für gehörlose Leser der grobe Text, der im Video gesprochen wird:

 

Müssen wir unseren Wohlstand aufgeben? Diese Fragestellung schließt nur jene Menschen ein, die zur Mittelschicht gehören oder gar zu der verschwindend geringen Anzahl der Oberschicht.

Aber jetzt mal konkret: Warum stellt sich diese Frage überhaupt?
Zweierlei: Erstens stößt die Menschheit zu viel Schadstoffe aus und verschmutzt die Umwelt viel zu schnell und vor allem viel zu stark. Selbst Klimaskeptiker werden einsehen, dass Mikroplastik im Essen oder die Zerstörung ganzer Ökosysteme bereits Grund genug sind, unseren Konsum zu überdenken. Der zweite Grund hat etwas mit Gerechtigkeit zu tun: Wir nehmen anderen Menschen auf der Welt, aber auch nachfolgenden Generationen zu viele Ressourcen weg. Wenn man nur ein bisschen Gewissen hat, sollte man auch hier etwas Einsicht entwickeln, dass unser Konsum in die falsche Richtung geht.

Müssen wir also unseren Wohlstand abgeben? Denn immerhin wäre eine starke Senkung des Konsums um bis zu 50% dringend angeraten.
Die gute Nachricht: Mit intelligenten Lösungen können wir derartige Wohlstandsverluste vielleicht komplett vermeiden oder zumindest drastisch abfedern.
Um die Umwelt zu schützen und etwas Gerechtigkeit herzustellen, müssen wir allerdings nicht mehr den Konsum an sich betrachten, sondern den Ressourcenverbrauch. Was ist der Unterschied? Wenn du für 1.000€ 15 Massagen buchst, dann hast du eine richtig gute Zeit, ohne dass die Umwelt allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen würde. Ressourcen verbraucht das ebenfalls kaum. Gibst du hingegen 1.000€ für eine Flugreise aus, so hast du mit beispielsweise einer Thailandreise genauso viel Ressourcen verbraucht, wie mit der ganzjährigen Nutzung eines Kleinwagens oder sehr sparsamen Mittelklassewagens. Wer ein Kilo Fleisch isst, verbraucht dadurch indirelkt 7kg Futtermittel, und ist obendrein für das mehrfache an Schadstoffausstößen verantwortlich. Auch der ständige Konsum von Produkten, die vom anderen Ende der Welt hier her transportiert werden müssen, belastet die Welt ganz anders, als der Konsum regional produzierter Güter. Kurz: Hier besteht ein sehr sehr hohes ökologisches und ressourcenbezogenes Einsparpotential.

Im Folgenden ein paar Beispiele, wie man den Ressourcenverbrauch und die Schadstoffausstöße senken kann, ohne dass wir wie Bettelmönche leben müssen:
Nummer eins: Kampf den Schundprodukten

Ein erheblicher Ressourcenverbrauch und damit automatisch einhergehender Schadstoffausstoß macht die Produktion absichtlich, aber auch unabsichtlich schlecht designter Güter aus. Viele Produkte leben weit kürzer, als es technisch möglich wäre. Rasierer, die nach 2 Jahren kaputt gehen sind absolut normal. Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher, die keine 10 Jahre halten sind leider keine Ausnahmen mehr. Ob es den Konzernen und Fabrikbesitzern passt oder nicht: Wir müssen diese per Gesetz zwingen Produkte langlebiger zu machen. Die Gewährleistungsfristen gehören sukzessive deutlich erhöht. Und selbst im Falle eines Defektes müssen Produkte, wo möglich, modular designed werden, damit man a) diese leicht mit Ersatzteilen reparieren kann und b) problemlos aufrüsten kann. Gehen den Unternehmen dann erhebliche Gewinne verloren? Ja. Aber was ist wichtiger: Luft zum Atmen und Ressourcengerechtigkeit oder die Kontostände des Geldadels?

Nummer zwei: Share Economy

Wie lange nutzt man einen Bohrer oder Rasenmäher im Jahr? Wie lange nutzt man eine Kettensäge oder einen Schraubenschlüssel?
Auch Autos sind für viele Menschen, gerade in Städten oftmals keine Alltagsgüter.

Produkte, die ein hohes Leihpotential haben, müssen in staatlichen “Leiheinrichtungen” dem Volk möglichst günstig und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden. Produkte, die solch ein hohes Leihpotential haben sollen natürlich weiterhin kaufbar seinm, aber allerdings im Handel mit einer Ressourcensteuer belegt werden. Wer einen Bohrer kauft, obwohl er diesen statistisch gesehen im Normalfall nur insgesamt 15 Minuten nutzt, der soll für diesen Luxus zahlen oder aufgrund des hohen Anschaffungspreises motiviert sein, diesen mit anderen Menschen zu teilen.

Nummer drei: Ressourcenintensive Produkte verteuern

Ressourcenintensive Produkte sind immer umwelbelastend und mit dem Ausstoß von Schadstoffen einhergehend. Anstatt derartige Produkte, wie zum Beispiel PS-Schleudern oberlehrerhaft zu verbieten, verteuert man einfach deren Nutzung. So ist dies so oder so realistisch gesehen notwendig: Man zahlt bei ressourcenintensiven Gütern meist nicht die externen Kosten mit, was gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt sowieso fraglich ist. PS Schleudern oder schwere Autos sind mit einer Luxussteuer zu versehen. Auch die hoch subventionierten Flugreisen sind in preislich endliuch der Realität anzupassen. Wer will, kann ohne schlechtes Gewissen weiterhin derartige verschwenderische Güter nutzen, muss aber dann endlich einen realistischen Preis hierfür bezahlen. Ressourcenschonende Produkte wie Elektrofahrräder oder Kleinwagen sind hingegen mit einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz zu versehen.
Das selbe gilt für Fleisch: Wer die Umwelt exponentiell belastet, der muss mehr zahlen. 25-35% mehr müssen einfach drin sein. Mit den höheren Preisen kann man dann durchaus die Massentierhaltung etwas humaner gestalten. Importiertes Fleisch ist je nach Herkunftsland mit einem Umwelt-und Tierschutzzoll zu belegen.
Das waren also drei Ideen, wie man den Ressourcenverbrauch deutlich senken kann und auch die Schadstoffausstöße drastisch minimiert, ohne den Wohlstand der Menschen allzu sehr einzuschränken. Natürlich kann man gegen solche Ideen sein. Den Preis zahlen dann aber die Tiere, die Umwelt, unsere Kinder und die anderen Menschen auf der Welt. Auf welcher Seite stehst also du?