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Anarchie – Chaos oder Zukunftsvision?

anarchie

Wenn von Anarchie gesprochen wird, dann meist im Zusammenhang mit Chaos und Gewalt. Anarchie ist, wenn sich alle gegenseitig nahezu folgenlos umbringen können – könnte man meinen. Tatsächlich ist solch ein Zustand eigentlich die Anomie. Was ist dann Anarchie wirklich? Schauen wir uns das mal näher an:

Anarchie bedeutet prinzipiell lediglich: “Abwesenheit von Herrschaft”

Herrschaft wiederum wird als ein repressiver Modus von Macht verstanden. Folglich sind bestimmte Machtverhältnisse wie die Beeinflussung durch freiwillig angenommene Autoritäten (Mentoren, geistige Vorbilder, Berater, etc.) mit der Anarchie vereinbar. Diese Autoritäten werden aber nicht durch Repression erzwungen. Insbesondere existiert in Anarchien keine lenkende Zentralgewalt, also kein Staat. Bekannte Anarchien, die dem Wort gerecht werden und die es durchaus vereinzelt gibt, sind dennoch von sozialen Normen und Regeln geprägt, unter anderem zur institutionalisierten Abwehr der Entstehung von Herrschaft.

Anarchie ist genau genommen die angestrebte Wirtschafts-und Gesellschaftsform freier und gleicher Menschen.

Der Autor David Edelstadt formulierte einst:

„Eine Welt in der keiner regieren soll, über die Arbeit und Mühe eines anderen,…Das ist Anarchie. Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, den Schwachen den Starken ‚ihn’ und ‚sie’ wo ‚deins’ und ‚meins’ keinen unterdrücken wird – Das ist Anarchie.“

Anarchie bedeutet somit für Anarchisten, dass jeder Mensch sich ohne unterdrückende Autorität und in freier Assoziation mit anderen Menschen entfalten kann. Eine solche Organisationsstruktur wird hierarchie-, zwangs- und gewaltfrei gedacht und sollte nicht mit einer herkömmlichen Verwaltung verwechselt werden. Eine anarchistische Gesellschaft ist eine Gesellschaft, in der jeder Mensch selbst beziehungsweise in Kooperation mit anderen für die eigenen Lebensumstände Verantwortung übernimmt. Es gibt keinerlei lenkende Zentralgewalt. Sanktionen gehen nicht von einer Führungsschicht aus, sondern sind nur möglich, wenn vorher vereinbarte Regeln verletzt wurden. Als weitestgehende Konsequenz wird dabei der Ausschluss aus der kommunalen Gemeinschaft angeführt. Die Anarchisten wollen die Gesellschaft sich selbst regeln lassen, etwa über Räte, freie Übereinkunft oder rein funktionale Entscheidungen, mit den Worten von Pierre Joseph Proudhon: „Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft.“

Gab es eigentlich schon mal ein westliches Gebiet, dass das Anarchieexperiment gewagt hat? Und wenn ja, was geschah? Finde es heraus!